Ausrüstungsvorschriften

Masken und ihre Sicherheitssysteme - ein Update zu den neuesten Regeln der FIE

Vielleicht habt ihr ja schon gehört, dass die FIE Ende vergangenen Jahres neue Regeln zu Masken und deren Sicherheit herausgegeben hat. Für einen Fechter wirft das natürlich viele Fragen auf: Worum geht es eigentlich?  Betrifft mich das ganze überhaupt? Was passiert jetzt mit meiner alten Maske? Und viele mehr.

Ben Paul, der britische Geschäftsführer und Chef der Marke Leon Paul, hat sich in London den Fragen gestellt und Antworten formuliert.

Es ist noch etwas offen? Schreibt es uns in die Kommentare und wir helfen euch weiter!

Und nun: Fragen und Antworten mit Ben Paul.

 

  • Warum werden die Bestimmungen in Bezug auf Masken aktuell überhaupt durch die FIE geändert?

Während der letzten sechs Jahre kam es bei Fechtwettbewerben immer wieder zu Vorfällen, bei denen Fechter ihre Maske mitten im Gefecht verloren. Um diese Problematik einzudämmen, mussten Lösungen gefunden werden.

 

  • Wie konnte es zu diesen Vorfällen kommen?

Es handelt sich hierbei um eine vielschichtige Thematik, und die Problemfaktoren reichen von schlechtem Sitz über abgetragene Masken bis hin zu Klettverschlussbändern von schlechter Qualität. Auch allgemeine Entwicklungen hin zu einem dynamischeren Fechtstil sind in diesem Zusammenhang mit zu nennen. In den meisten Fällen, in denen Masken mitten im Gefecht verloren wurden, gab das Maskenband am Hinterkopf nach, weil der Klettverschluss versagte.

Hier ein Beispiel für die Studien (auf Englisch), die Leon Paul in der Vergangenheit für die FIE und die Fechtwelt durchgeführt hat:

Leon Paul Sicherheitsupdate

 

  • Was wird sich bei FIE-konformen Masken ändern?

Sämtliche Fechtausstatter haben mit der FIE zusammengearbeitet, um die Problematik genauer zu beleuchten, und in diesem Zusammenhang Analyse- und Testverfahren entwickelt, wie beispielsweise den in folgendem Datenblatt beschriebenen Maskenbelastungstest (aktuell leider nur auf englisch verfügbar) :

Maskenbelastungstest

In der Folge wurden zahlreiche Vorschläge für Masken-Konstruktionen eingereicht, die derartige Vorfälle verhindern sollten, und mit über 50 Fechtern aus aller Welt getestet. Jeder Fechtausstatter wählte dann für sich einen Vorschlag aus, der von der FIE als zur Eindämmung der Problematik geeignet angesehen wurde. Komplett auszuschließen, dass eine Maske mitten im Gefecht verloren geht, ist leider nahezu unmöglich: Wenn ein Fechter mit einem sehr kleinen Kopf nämlich eine übergroße Maske trägt, wird die Maske immer auf irgendeine Art und Weise immer vom Kopf fallen können, und solchen Anwendungsfehler ist nur sehr schwer vorzubeugen. Man könnte die Maske durch ein fixes Verschlusssystem fest am Kopf fixieren, doch dies würde im Fall eines medizinischen Notfalls, bei dem die Maske schnell abgenommen werden muss, unter Umständen Schwierigkeiten mit sich bringen. Daher mussten realistische und nicht allzu kostentreibende Lösungen gefunden werden, die gleichzeitig immer noch angenehm zu tragen sind und keines der genannten Probleme mit sich bringen oder verschärfen.

 

  • Was für Veränderungen wurden an Leon-Masken vorgenommen?

Bereits 2013 haben wir eine ganze Reihe Verbesserungen eingeführt: Wir haben das Hinterkopf-Band mit einem doppelten Klettverschluss gesichert und tiefergesetzt, den Metall-Bügel verlängert und darüber hinaus das Maskeninnenpolster überarbeitet. Nach der aktuellen Überarbeitung hat sich dadurch an unseren Maskengar nicht mehr soviel geändert: Wir verwenden nun Metallösen zur Fixierung des Hinterkopfbands und verwenden für dieses ein Velcro ®-Stretchband mit einem speziellen Velcro®-Verschluss, in dem sich die Haare nicht verfangen. (Anmerkung der deutschen Redaktion: Die Velcro-Unternehmensgruppe ist einer der Haupthersteller von Klettverschlüssen mit zahlreichen patentierten Verschluss- und Befestigungslösungen).

Dieses System kann mit wenig Zeitaufwand auf diversen Fechtveranstaltungen und vor Ort bei unseren Verkaufspunkten angepasst werden: Sowohl bei den Weltmeisterschaften der verschiedenen Altersklassen als in unseren Dependancen in den USA, Frankreich, Deutschland, Italien und weiteren Ländern wird ausgebildetes Personal zur Verfügung stehen, das über die erforderlichen Kenntnisse und Geräte verfügt, um die Masken den neuen Regeln entsprechend umzurüsten.

Das neue System passt sich sehr gut an die verschiedenen Kopfgrößen an, und ich empfinde es als sinnvolle Weiterentwicklung unserer bisherigen Maskendesigns.

Das neue System - traditionelle Bügelmaske

Das neue System - Contour Fit Maske

  • Und wie geht es jetzt weiter?

Die FIE hat einen Zeitplan für die Reglement-Änderung veröffentlicht: Hier die offiziellen Verlautbarungen (aktuell leider nur auf englisch) zu den neuen Ausrüstungsvorschriften und zugelassenen Herstellern:

Zugelassene Masken:
http://static.fie.org/uploads/18/92463-ListMasknewfastening2017.01.pdf

Masken-Ausrüstungsvorschriften
http://static.fie.org/uploads/18/92460-Mask%20technical%20requiremnts2.pdf

Das Update zu den neuen Vorschriften für Masken
http://static.fie.org/uploads/18/92466-15.1%20decision%20urgente%201%20m25_7m%20ang.pdf

Um die obigen Links einmal zusammenzufassen: Ab September 2018 darf man bei offiziellen Wettbewerben der FIE nur noch mit Masken starten, die den obigen Bestimmungen entsprechen.

Ausnahme sind die Weltmeisterschaften der Kadetten und Junioren im April 2018 Verona (Italien) sowie die der Aktiven im Juli/August in Wuxi (China): Dort werden die neuen Vorschriften bereits zur Anwendung kommen und überprüft. Leon Paul wird zu beiden Gelegenheiten anbieten, die Masken direkt vor Ort nachzurüsten.

 

  • Wieviel wird die Nachrüstung kosten?

Die Preise variieren je nach Maskenhersteller. Die Umrüstung einer Leon Paul-Maske wird 11,70€ kosten. Wird lediglich ein neues Maskenband benötigt, liegt dieses preislich bei 8€.

 

  • Und nun die wichtigste Frage: Muss ich meine Maske anpassen lassen? Und wenn ja, wann?

Das kommt darauf an: Fechter in Großbritannien, den USA, Frankreich und anderen Ländern, die nicht alle FIE-Vorschriften in die nationalen Vorschriften übernehmen, müssen ihre Masken nur umrüsten lassen, wenn sie ab der Saison 2018/19 an offiziellen Wettbewerben der FIE teilnehmen wollen und/oder wenn sie diese Saison bei der Weltmeisterschaft der Kadetten/Junioren bzw. Aktiven teilnehmen.

Fechter in Deutschland, Italien und anderen Ländern, die üblicherweise die FIE-Vorschriften auch für nationale Turniere verpflichtend machen, werden ihre Maske spätestens zum Start der Saison 2018/19 (also im August/September 2018) umgerüstet haben müssen; wenn sie an den diesjährigen Weltmeisterschaften in den Altersklassen der Kadetten und Junioren oder Aktiven teilnehmen, entsprechend früher.

Anmerkung der deutschen Redaktion:
In seinem Rundschreiben vom 20. 01. 2018 hat der Deutsche Fechter-Bund offiziell erklärt, den neuen Masken-Ausrüstungsvorschriften der FIE in allen Punkten zu folgen und diese auch für nationale Turniere verpflichtend zu machen.
Für alle Altersklassen außer derjenigen der Schüler ist demnach ab der Wettkampfsaison 2018/19 (Stichtag 01. 08. 2018) auch auf nationalen Turnieren in allen Waffen nur noch das neue Masken-System mit den beiden Merkmalen "doppelt gesicherter Klettverschluss" UND "Metallösen zum Befestigen des Hinterkopfbandes" auf Turnieren zugelassen.  Auf die Altersklasse der Schüler finden die Vorschriften zum neuen System ab dem 01. 01. 2019 Anwendung.

Hier geht es zum pdf mit den offiziellen Ausrüstungsvorschriften des Deutschen Fechterbundes

Bitte beachtet, dass gemäß der beiden oben erwähnten Kriterien (doppelter Klettverschluss und Metallösen zur Befestigung) etwaige Umrüstungen für alle von Leon Paul verkauften Masken fällig werden, also sowohl die traditionellen Bügelmasken als auch die Contour-Fit-Masken.
(Wer im Rundschreiben des DFB etwas von Regelungen gelesen haben sollte, die in Bezug auf die Contour Fit-Maske unverändert bestehen bleiben: Dies bezieht sich lediglich auf das zweite Sicherungssystem, also das Sicherungsbändchen um den Hals. Letzteres wird mit dem neuen System nicht hinfällig, sondern bleibt nach wie vor verpflichtend).

  • Woran erkenne ich, ob meine aktuelle Leon-Paul- Maske bereits den neuen Vorschriften entspricht oder nachgerüstet werden muss?

Wenn deine Maske über Ösen an den Seiten des Maskenkorpus verfügt, entspricht sie bereits dem neuen, von der FIE zugelassenen System.

Ein wichtiges Detail des neuen Masken-Sicherungs-Systems: Metallösen zur Befestigung des Hinterkopfbandes am Maskenkorpus (sowohl für Contour-Fit als auch traditionelle Bügelmaske)

 

 

Hat euch das schon weitergeholfen? Zum Abschluss haben wir noch ein kleines Terminologie-Glossar mit Begriffen, die euch im Interview oder ganz allgemein bereits im Zusammenhang mit Fechtmasken begegnet sind, für euch:

 

Bügel-Maske

Das traditionelle Maskendesign, das bereits aus den 1920er Jahren stammt, aber immer noch die am weitesten verbreitete Fechtmaske ist. Hierbei hält ein gebogener  Metallbügel den metallenen Maskenkorpus fest am Kopf und schützt den Hinterkopf vor Treffern. In den 1970er Jahren überarbeitete Leon Paul dieses System durch die Einführung eines elastischen Masken-Bandes, das die Maske auch am Kopf halten sollte, wenn der Metallbügel nicht passend gebogen war. Dieses Masken-Design war die erste von der FIE offiziell zugelassene Maske, und in der Folge mussten auch die anderen Hersteller ihren Masken das Hinterkopband hinzufügen.

 

Masken-Band bzw. Hinterkopf-Band

Hierbei handelt es sich um das elastische Band, das am Hinterkopf Richtung Nacken sitzen sollte und verhindert, dass ein Fechter seine Maske verliert. Dieses Band kann mit Klettverschluss oder mit Ösen am Maskenkorpus befestigt sein.

 

Contour-Fit-Maske

Dies ist das Leon-Paul-typische Maskendesign, bei dem der traditionelle Metallbügel durch eine ergonomisch geformte Plastikschreibe ersetzt wurde. Dieses System ist leichter und nach Meinung vieler auch bequemer als die traditionelle Bügelmaske. Seit 2000 ist die Contour-Fit-Maske von der FIE zugelassen.

 

Zweites Sicherungssystem oder Sicherheitsbändchen

Während der Olympischen Spielee im Jahr 2012 wurde das Leon-Paul-Maskenband durch das eines anderen Herstellers ersetzt, damit das drahtlose Meldersystem, welches bei diesem Wettbewerb zum Einsatz kam, befestigt werden konnte. Der Klettverschluss, der das Maskenband an der Maske hält, versagte und der Fechter verlor seine Maske im Gefecht. In der Folge erarbeitete Leon Paul in Zusammenarbeit mit der FIE ein zweites Sicherheitssystem für die Contour-Fit-Masken, sodass eine Maske auch dann nicht mehr verloren werden konnte, wenn der Klettverschluss versagte. Dieses Sicherheitsbändchen wird mittels eines Magneten gesichert und sitzt im Nacken.

 

„Von der FIE zugelassen“ bzw. „FIE-konform“

Die FIE (Fédération Internationale d’Escrime, zu deutsch Internationale Fechtvereinigung) ist das Leitungsorgan des Fechtsports – so wie die FIFA für Fußball. Sie entwickelt und entscheidet über Regeln und Regelwerke für unseren Sport. Zur Teilnahme an einem offiziellen Wettbewerb der FIE (der etwa für die Weltrangliste zählt) muss ein Fechter mit von der FIE zugelassener Ausrüstung antreten.

 

SEMI –Kommission

Die SEMI-Kommission (Commission de la Signalisation Electrique du Matériel et des Installations),  ist das Unterorgan innerhalb der FIE, welches über die Ausrüstungsvorschriften entscheidet. Sie besteht aus Fechtern, Wissenschaftlern und Experten auf dem Gebiet der Fechttechnologie.

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